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Plagwitz in Leipzig

Von der Käthe-Kollwitz-Straße aus, in der Sie einige unserer Ferienwohnungen finden, führt die sich anschließende Karl-Heine-Straße hinein in den Leipziger Stadtteil Plagwitz. Dieser ist vor allem aufgrund seiner besonderen alternativen Lebensweise stadtbekannt. Der ehrwürdige Felsenkeller und die vielen kleinen Läden, aber auch die vierteljährlich stattfindenden Straßenevents des Vereins Westbesuch sorgen für das gewisse Flair.

Inhaltsverzeichnis

Das alternative Viertel Plagwitz

Plagwitz liegt im Südwesten von Leipzig. Der Stadtteil grenzt im Norden an Lindenau, im Süden an Kleinzschocher, im Osten an Schleußig, im Westen an Neu-Lindenau. Plagwitz hat über 14600 Einwohner und fast die gleiche Anzahl an Männern wie Frauen. Hier fühlen sich also beide Geschlechter wohl. Auch die Künstlerszene ist mit Männern und Frauen beseelt.

Durch Plagwitz zieht sich die Karl-Heine-Straße. Entlang dieser Straße finden sich die Etablissements, Galerien und Treffs, die Plagwitz zu einer beliebten Destination gemacht haben. Hier finden Sie im Folgenden eine kleine Auswahl.

Felsenkeller

Das imposante Gebäude aus der neobarocken Ära ist heute Kulturzentrum, Konzertsaal und Partykeller in einem. Bereits in längst vergangenen Zeiten war der Felsenkeller als Ballsaal – also für Musik und Tanz – geplant. Der große Saal wurde jedoch ebenso für Versammlungen bereits im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert genutzt. So versammelten im Felsenkeller Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ihre Anhänger ums sich – und auch die FDJ in der alten DDR kam in diesem ehrwürdigen Gebäude zusammen.

Geplant und erschaffen wurde der neobarocke Bau von den Architekten August Hermann Schmidt und Arthur Johlige. Beide zeichnen ebenso für das Central-Theater (ehemals Schauspielhaus) verantwortlich. Um den Felsenkeller herum befand sich eine Gartenanlage, auf die seine Gäste über Veranden und Terrassen schauen konnten. Heute ist der Felsenkeller noch immer für seine Architektur und seinen großen Saal bekannt.

Felsenkeller in Leipzig
Felsenkeller in Leipzig Plagwitz an der Grenze zu Lindenau

In diesem Versammlungs- und Ballsaal konnte der alte Felsenkeller auch eine Kinoleinwand einmal sein eigen nennen. Dies ist jedoch heute nicht mehr der Fall. Dafür müssen Sie ein paar Meter weitergehen, bis Sie an der Schaubühne Lindenfels angekommen sind.

Durch Plagwitz führt der Kanal vorbei am Kulturhaus Riverboat, in dem die gleichnamige TV-Show „Riverboat“ des Mitteldeutschen Rundfunks stattfand. Jetzt gehört es der Kulturhafen am Riverboat GmbH & Co KG, Veranstalter für Musik-, Tanz- und anderen Events im kreativen Bereich.

Riverboat über einem Ausläufer des Karl-Heine-Kanals
Riverboat über einem Ausläufer des Karl-Heine-Kanals (c) Johannes Fasolt, GNU Free Documentation License

An den Ufern und auf dem Wasser haben viele Tiere ein Zuhause gefunden. Besonders beliebt sind die fast zutraulichen Nutrias, wobei zu bedenken ist, dass das Füttern der kuschligen Nager strengstens verboten ist. Zugvögel und einheimische Enten sieht man nicht nur im Sommer, wenn man am Ufer des Kanals entlang schlendert. Insgesamt führen 15 Brücken über dieses künstliche Wasserbett. Das Bild zeigt die Weiße Elster, denn auch sie repräsentiert den Stadtteil. Von ihr aus zweigt der Kanal links ab.

Karl-Heine-Kanal zwischen Plagwitz und Schleußig
Karl-Heine-Kanal und Weiße Elster zwischen Plagwitz und Schleußig

Westpaket und Westbesuch

Lange Zeit wurde das Stadtviertel stiefmütterlich behandelt. Umso mehr sprüht es heute vor alternativem Charme. Diesen Erfolg hat sich nicht zuletzt der Verein Westbesuch e.V. zuzuschreiben. Mit seinen vierteljährlich stattfindenden Westpaketen holte er die Künstler- und Studentenszene in die Karl-Heine-Straße. Trödel- und Straßenmarkt wird das Event genannt, doch inzwischen gehört zu jedem Westpaket auch Musik, entweder spontan von anwesenden Straßenmusikern oder als geplanter Auftritt, dazu.

Einmal im Jahr ist dann der große Westbesuch, bei dem der an die Karl-Heine-Straße angrenzende Karl-Heine-Platz einbezogen wird. Gemeinsam mit der Schaubühne holt der Verein heimische Musiker und viel versprechende Talente auf die Bühne.

Rund um die Karl-Heine-Straße haben sich thematisch passend inzwischen alternative Läden und vegetarische sowie internationale Speiseetablissements angesiedelt. Auch sie bieten ihre Snacks gern auch einmal neugierigen Besuchern ganz besonders zum Westpaket oder Westbesuch als Probehäppchen an.

An diesen Tagen wird das alternative Flair, das den Stadtteil so prägt, besonders spürbar. Unter Trödel, unbekannten Sammlerstücken, mit Musik und Lebendigkeit hat sich Plagwitz zu einer starken Konkurrenz für das beliebte Studentenviertel Connewitz gemausert.

Leipzig Plagwitz kulinarisch entdecken

Immer eine Reise wert – dieser zugegebenermaßen etwas angestaubte Slogan trifft definitiv auch auf Leipzig zu. Aber nicht nur für Touristen hält unsere Stadt immer etwas Neues bereit. Wir haben uns mit Eat the world, einem Anbieter für kulinarisch-kulturelle Stadtführungen in mittlerweile 20 deutschen Städten, auf einen dreistündigen Streifzug durch das ehemalige Arbeiterviertel Plagwitz begeben und dabei so manches erfahren und probieren dürfen.

Plagwitz erleben: Liebe geht durch den Magen

Um 11:30 war Treffen mit dem Reiseführer der samstäglichen Eat the world Tour angesagt. Insgesamt waren wir sieben Personen, von denen vier von außerhalb kamen, drei aber tatsächlich Leipziger waren, denen es einfach danach verlangte, den Horizont über ihre (Wahl-)Heimat zu erweitern.

Nachdem unser Führer Rocco Lehmann ein paar einleitende Bemerkungen zum Plagwitzer Stadtteilhelden Karl Heine und der nicht zuletzt durch das Musikvideo „Die da“ von den Fantastischen Vier berühmten Könneritzbrücke gemacht hatte, ging es auch schon los.

Vorbei am Museum für Druckkunst (Nonnenstraße), das eine europaweit einzigartige Sammlung an Druckpressen und sonstigen Zeugnissen der Druckkunst sowie eine vollständig eingerichtete Handbuchbinderei beherbergt, liefen wir die erste kulinarische Station an: die traditionsreiche Fleischerei Schicketanz. Hier wurde uns bei hausgemachten Pfefferbeißern und Schinkenröllchen die Arbeitsweise des Metzgereibetriebs erklärt, der sich zwar noch nicht das Label „Bio“ auf die Fahnen schreiben kann, jedoch mit Weidenhaltung in warmen Monaten sowie strohbestreuten Laufställen, Verzicht auf die Fütterung von Antibiotika und stressfreier Schlachtung viel Positives vorweisen kann.

Die nächste Station lag nur wenige Schritte weit entfernt: Im Gebäude des ehemaligen Kesselhauses, genauer gesagt, im alten Hochzeits- und Jagdzimmer, hat sich eine kleine, aber feine Suppenküche namens Löffel & Co. eingenistet. Das kulinarische Angebot wechselt täglich – und auch die Betreiber wissen nicht, was es am nächsten Tag zu essen geben wird, da sie sich täglich beim Einkauf neu inspirieren lassen. Wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen und durften zwischen einer Gerstensuppe und einer Bohnensuppe (mit oder ohne Hackbällchen) wählen. Obwohl es draußen noch nicht allzu kalt war: genau das Richtige, um sich ein bisschen (und vor allem lecker) aufzuwärmen.

Meins Deins Unser – DDR-Nostalgie in Plagwitz
Meins Deins Unser – DDR-Nostalgie in Plagwitz

Zu verkosten gab es hausgemachte Buletten. Lebendes Accessoire ist übrigens ein schwarzer Kater, der jeden Tag als erster Gast kommt und das „Meins“ auch als Letzter wieder verlässt. Während unseres Besuches lag er in seiner angestammten Sofaecke und schlief selig.

Vorbei an der evangelisch-lutherischen Heilandskirche (das höchste Kirchengebäude in ganz Leipzig) überquerten wir die Zschochersche Straße und begaben uns in eine gemütliche Kneipe namens Meins (gelegen in der Weißenfelser Straße 25, direkt gegenüber der Metalkneipe „Helheim“). Dort wird ein bisschen Wohnzimmer-DDR-Nostalgie gepflegt, die ihren ganz eigenen Charme besitzt und einen direkt in Wohlfühl-Stimmung verfallen lässt.

Von der Weißenfelser Straße war es treffenderweise nur ein Katzensprung bis zur Karl-Heine-Straße, wo wir in Seidels Klosterbäckerei bereits mit frischem Brot und gesalzener Butter erwartet wurden. Hier erhielten wir köstliche Einblicke in das traditionelle Bäckerhandwerk. Alte Rezepte, Handarbeit und eine gewisse Ruhe beim Backen werden hier großgeschrieben, um dem Kunden die Qualität liefern zu können, die wir beim Probieren schmecken durften. Hier werde ich künftig auf jeden Fall öfter mal mein Brot kaufen gehen!

Seidels Klosterbäckerei
Seidels Klosterbäckerei

Wir schlenderten die Karl-Heine-Straße hinunter, wechselten irgendwann die Straßenseite und fanden uns unversehens im Dipasquale wieder, einem Geschäft für italienische Lebensmittel. Sehr herzlich wurden wir vom Inhaber mit Käse und Mailänder Salami begrüßt. Er erzählte uns von seinem Sortiment und dem Anspruch, nur feinste Lebensmittel direkt aus seiner italienischen Heimat zu importieren, die ansonsten nicht oder nur schwer in Leipzig zu erhalten sind. Wer mag, kann sich im hinteren Teil des Ladens auch an Tischchen niederlassen und Espresso und Snacks genießen.

Italienisch ging es auch bei der nächsten Station weiter. Vor der Tür des Café Albert servierte man uns köstliche Panini mit hausgemachtem Honig-Senf, Rucola und Ziegenkäse. Das Interieur dieses Etablissements tut ebenfalls viel für den Gemütlichkeits- und Wohlfühlfaktor und bietet eine ideale Anlaufstation, wenn man beispielsweise auf einem ausgedehnten Spaziergang durch Plagwitz auf einen Kaffee oder eine kleine Leckerei anhalten möchte.

Café Albert für Liebhaber italienischer Küche
Café Albert für Liebhaber italienischer Küche

Bis zur letzten Station war es nun ein etwas weiterer Weg, den unser Guide Rocco dazu nutzte, um uns zunächst vorbei am Westwerk entlang des Karl-Heine-Kanals zu führen und uns mit spannenden Fakten zum Kanal selbst, dem Bauherrn sowie den am Kanal gelegenen Stelzenhaus und dem Riverboat zu unterhalten (weitere Informationen dazu sowie zu Plagwitz im Allgemeinen gibt es übrigens auch in unserem Stadtteilführer Plagwitz).

Westwerk Leipzig – Kultstätte in Plagwitz
Westwerk Leipzig – Kultstätte in Plagwitz

Über die Industriestraße führte uns der Weg schließlich in die Hohlbeinstraße 29, in den kleinen (zugegebenermaßen nicht sonderlich einfallsreich benannten) Laden Wein & Schokolade. Neben regelmäßigen Weinproben und -seminaren gibt es ein breitgefächertes Angebot an exquisiten Weinen und Edelschokoladen (zum Beispiel aus dem französischen Hause Bonnat oder auch die Erfurter Goldhelm-Schokoladen). Die Flaschen blieben verkorkt, aber von den 75% Kakao enthaltenen Schokoladen durften wir probieren, und manch einer nahm eine süße Kleinigkeit mit nach Hause.

Empfehlung für Entdecker, die den großen Trubel meiden wollen

Insgesamt können wir an dieser Stelle nur ein großes Lob und eine Empfehlung für die Eat the World Touren aussprechen. Die kleine Gruppe und die Tour, abseits der ausgetretenen Touristenpfade, garantiert ein entspanntes und intimes Kennenlern-Erlebnis, bei dem auch der Magen nicht zu kurz kommt und an dem selbst alteingesessene Bürger der Stadt ihre Freude haben werden.

Buchbar sind die Touren für Leipzig (neben Plagwitz ist auch eine Tour durch die Südvorstadt möglich) einfach auf der Webseite von Eat the world. Mit einem Preis von 33€ pro Person ist man gut beraten und erhält ein Tourerlebnis, das sein Geld wert ist.